Informationen über Edelstahl - Wie wird aus reinem Stahl ein Edelstahlprodukt?

Edelstahlprodukte gibt es in einer großen Bandbreite verschiedener Qualitäten und unterschiedlichen Legierungen

Edelstahl ist ein besonders reiner Stahl, dessen Schwefel- und Phosphorgehalt 0,025 % nicht übersteigt. „Edelstahl Rostfrei“ hat dagegen einen Legierungsanteil von mindestens 10,5 Prozent Chrom. Über einen höheren Chromgehalt und weitere Legierungsbestandteile wie Nickel, Molybdän oder Stickstoff wird die Korrosionsbeständigkeit als auch Materialeigenschaften wie Schweißfähigkeit und Formbarkeit beeinflusst.

Nichtrostende Stähle sind in Europa in der DIN EN 10088-1 bis 3 genormt. Über 100 verschiedene Stahlsorten tragen jeweils eine Bezeichnung mit der Angabe der Legierungselemente und deren Inhalte. Sie enthält ebenso eine Werkstoffnummer, die für den Planer und Architekten eine wichtige Angabe für Planungen und Ausschreibungen ist. Die ursprünglichen Markennamen „V2A“ und „V4A“ werden als Gattungsbegriffe verwendet für gebräuchliche Edelstahlsorten. V2A entspricht in der Regel der Werkstoffnummer 1.4301 und V4A trägt die Nummern 1.4401/1.4571.

Historische Herleitung der Begriffe V2A und V4A

Interessant ist die leicht nachvollziehbare historische Herleitung der Begriffe. V2A und V4A steht für die historisch erfolgreichen Versuchsschmelze 2 Austenit, bzw. Versuchsschmelze 4 Austenit. Weitere gebräuchliche Bezeichnungen für rostfreien Edelstahl sind: Chromnickelstahl (CNS) oder INOX, wobei sich diesen Namen keine exakte Legierungs-Zusammensetzungen entnehmen lässt.

Nichtrostende Stahlsorten

Wichtige nichtrostende Stähle lassen sich auf 17 Stahlsorten reduzieren. Diese werden in vier Korrosionswiderstandsklassen unterteilt. Zusammengefasst werden sie in der Allgemeinen Bauaufsichtlichen Zulassung Z-30.3-6 des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt). Stähle mit den Werkstoffnummern 1.4301, 1.4307 und 1.4541 eignen sich für Umgebungen mit geringen Industrieemissionen. Sie lassen sich in wenig belasteten städtischen und ländlichen Gebieten uneingeschränkt verwenden.

Für den Einsatz in industriell belasteten Einbauorten werden rostfreie Edelstähle wie 1.4401, 1.4404 oder 1.4571 empfohlen. Aggressive Bedingungen, etwa in küstennahen Gebieten mit zusätzlichen industriellen Emissionen, setzen höher legierte Stähle wie 1.4439, 1.4539 oder 1.4462 voraus.

Anwendungen und Reinigung von Edelstahl

Je nach Herstellungsart und der Behandlung sind die Oberflächenbeschaffenheit, das Reflexionsverhalten und die Farbe von Edelstahl Rostfrei unterschiedlich. Unterschieden werden beispielsweise warm und kalt gewalzte Profile. Warm gewalzte Profile haben z.B. ein rauere, unebenere Oberfläche als kalt gewalzte Bleche. Wird der richtige Edelstahl anhand der Umweltbelastung ausgewählt, sind die Konstruktionen sehr widerstandsfähig gegen Korrosion. Generell sollten die Flächen regelmäßig gesäubert werden. Je glatter zudem die Oberfläche ist, desto weniger Schmutz bleibt daran haften und desto widerstandsfähiger ist sie gegen Korrosion. Abkantungen, Spalten und Nähte sollten versiegelt oder so gestaltet werden, dass sich Feuchtigkeit und korrosionsfördernde Gegenstände nicht in ihnen ablagern können.

Edelstahl-Oberflächen

Je nach Anwendung und Planung kann eine glänzende Oberflächen durch Schleifverfahren erzielt werden. Mit Schliffen, Einfärbungen und geprägten Oberflächenstrukturen, Strahlen und anderen Methoden lassen sich überaus vielfältige Oberflächeneffekte erzielen. Eine gut dokumentierte Übersicht enthält das Merkblatt 960 „Edelstahl Rostfrei: Oberflächen im Bauwesen“, das unter der Internetadresse www.edelstahl-rostfrei.de kostenfrei erhältlich ist.

Umweltfreundlichkeit - Edelstahl ist besonders nachhaltig, da der Rohstoff voll recycelbar ist

Nicht nur die reinen Herstellungskosten sondern auch die Einsatzdauer, der Wartungsaufwand sowie die Wiederverwendbarkeit sind entscheidend. Edelstahl ist ein Werkstoff mit einem langen Lebenszyklus bei minimalen Unterhaltungskosten, der sich zudem aufgrund seiner vollständigen Recyclingfähigkeit ohne Qualitätsverlust immer wieder verwenden lässt. Hüttenwerke verwenden für die Produktion neuer Stähle so viel Schrott wie sie bekommen. Aufgrund der langen Einsatzzeiten von durchschnittlich 20 bis 30 Jahren stehen jedoch die benötigten Altmetallmengen nicht im gewünschten Umfang zur Verfügung. 2002 betrug nach einer Schätzung des International Stainless Steel Forum (ISSF) die Recyclingquote für rostfreien Stahl circa 60 Prozent.

Der Artikel bezieht sich auf Veröffentlichungen von Catherine Houska, Architekturberaterin des Nickel Institute